Basis Partei, die Schwarmintelligenz und der allgegenwärtige Transhumanismus

Offener Brief an die Basis Partei:

Das Grundproblem unserer Zeit ist das fehlende Bewusstsein für die leitende Thematik der letzten 100 Jahre – die sehr weit fortgeschrittene Dehumanisierung, die bis in die konkreten Inhalte jeglicher Gesellschaftsbereiche durchgedrungen ist und dort zur Gewohnheit wurde. Diese subtile, aber in seinem Fortschritt erschreckende Entmenschlichung wird von der Ideologie des Transhumanismus und seiner Staatsform der Technokratie begleitet. Wie die Fische im Wasser sind wir zwar mit unseren Sinnen auf die Umgebung gerichtet und wollen darin unsere Impulse realisieren, doch mit dem Wasser selbst wollen wir uns nicht beschäftigen. Das Wasser ist uns meist gar nicht bewusst. Dieses Wasser der Dehumanisierung bildet aber die unglaublich intelligente menschenfeindliche Umgebung, zu der wir uns gewöhnt haben und die wir als solche kaum wahrnehmen. Wenn man also Initiativen gründet, ohne diese subtile, aber stark verankerte und leitende Gesellschaftsthematik zu kennen, wird man die Punkte, an denen man den Transhumanismus bzw. die Technokratie unterstützt, gar nicht entdecken. Dann mag man zwar offensichtlich gegen die Allheilsversprechen der technokratischen Gesellschaft eines Klaus Schwab, Bill Gates, Ray Kurzweil (…) und ihrer Politfunktionäre kämpfen, man wird diese aber auf lange Sicht doch mit unterstützen. Durch die Unkenntnis transhumanistischer Unterwanderung jeder Thematik wird man unbewusst in die Tasche bekennender Transhumanisten spielen. Es ist also unabdingbar die Begriffe und das dahinterstehende Mensch- und Weltbild stets sehr genau in Bezug auf die Stufen „Materialismus -> Transhumanismus“ zu betrachten (siehe Materialismus als Vorstufe von Transhumanismus und Posthumanismus: https://sozialekunst.eu/2021/07/23/materialismus/). Was hat es aber mit der Schwarmintelligenz der Basis Partei zu tun?

Die Basis Partei und die restliche Parteilandschaft

Bevor ich zum Thema der Schwarmintelligenz komme, will ich betonen, dass ich die Basis Partei momentan als die einzige politische Alternative betrachte, die (noch?) nicht in einem Einheitsblock scheinbarer und erlogener politischer Vielfalt schwimmt. AfD hat es zwar versucht und hat einige Punkte aufgegriffen, die zurecht zu kritisieren sind, aber ihre rückwärtsgewandte und protektionistische National- und Volksdenke will eher zurück an Mutters Brust als in die Zukunft. Außerdem entsprechen die Themen der AfD durchaus dem technokratisch-transhumanistischen Kurs der anderen regierungsrelevanten Parteien. Die Linken haben vergessen, dass die Gesellschafts- und Regierungskritik aus dem Marxismus hervorgegangen ist (und diesen glücklicherweise weitgehend überwunden hat!) und hetzen jetzt erstaunlicherweise gegen beinahe alle Regierungskritiker. Sie haben die Gesellschaftskritik nur auf die Plattitüden der gebetsmühlenartigen ökonomischen Gleichheit reduziert und die Frankfurter Schule und anderen kritischen Soziologen gar nicht beachtet. Die Grünen sind zu einem derart offensichtlichen Gegenbild ihrer Ideale geworden, dass man den Grund dafür nur in einem stupiden Materialismus ihrer Anfänge finden wird. Das fanatische, unreflektierte und einseitige Einstehen für die Natur, welches stets mit einem hasserfüllten pessimistischen Menschenbild begleitet wird, ist geradezu prädestiniert für eine posthumanistische, technologiegesteuerte Zukunft. Der Rest (SPD, CDU / CSU) ist nicht einmal erwähnenswert, weil er eine noch größere Karikatur seiner Werte darstellt und eine ganz offensichtliche Einheitspartei mit medial wirksamen Pseudokämpfen bildet (außer der FDP, die ganz offen für ‚die Wirtschaft‘ und nicht für den Menschen einsteht und der Piraten, die die Transhumanisten schlechthin sind). Ein chinesisch-technokratischer Sozialismus bzw. Überwachungskapitalismus (https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wirtschaft-gesellschaft/wirtschaft/das_zeitalter_des_ueberwachungskapitalismus-15097.html) kommt also den Linken, den Rechten, den Konservativen, den Liberalen (über die (pseudo)Demokraten oder (pseudo)Christen kann man nicht reden, da diese vollkommen verlogen sind: https://www.vsa-verlag.de/nc/detail/artikel/gesteuerte-demokratie-1/), also schlicht beinahe allen Parteien durchaus sehr gelegen.

Inwiefern die Basis Partei als die einzige politische Alternative überlebt oder wie jede andere Partei in der Pseudovielfalt aufgeht, das hängt davon ab, ob diese Partei ihre Grundsätze kritisch zu reflektieren weiß. Besonders die Verankerung der Sozialen Dreigliederung (https://www.dreigliederung.de/) als politisches Ziel ist durchaus lobenswert, da diese Idee in einzigartigen Weise eine differenzierte Gesellschaftsgestaltung beschreibt, die nicht nur vom ökonomischen, politischen oder wissenschaftlichen bzw. geistigen Aspekt aus die Gesellschaft regeln will, sondern alle drei Bereiche in ihrer eigenständigen und vernetzten Wirkung entfaltet. In der Idee der Schwarmintelligenz versteckt sich allerdings die Möglichkeit über eine längere Zeit in die transhumanistische Technokratie abzudriften. Ich versuche im weiteren Verlauf mich in die Entblößung dieser Möglichkeit zu begeben und wende dabei eine technokratisch affine Denke an. Dabei meine ich keineswegs, dass die Mitglieder der Basis Partei diese Denke haben; doch ich meine, dass diese Inhalte bereits mit dem Begriff und teils auch mit der Idee selbst mit in die Organisationsgestaltung einziehen.

Die internen Kämpfe und der Vorwurf einer „kontrollierten Opposition“ kann aus meiner Sicht noch nicht geklärt werden. Solche Vorwürfe sind auch in Richtung von Rainer Füllmich und dem Corona-Ausschuss bekannt. Klar ist jedoch, dass diese Bewegung mehr oder weniger unterwandert wird. Denn die Kontrolle der Opposition ist ein grundsätzlich banaler Gedanke jeder Machtstruktur. Von wem und wie bleibt (zumindest für mich) vorerst noch offen. Die konkrete personelle Unterwanderung halte ich allerdings nicht für derart relevant, da eine Initiative bereits durch ihre (unreflektierte oder auch ganz bewusste) Inhalte auf der ideellen Ebene unterwandert wird. Ob die Person X oder Y diese Inhalte fördert, ist aus meiner Sicht nicht zentral von Bedeutung. Die Frage ist eher, ob man innerhalb einer Initiative fähig ist jegliche Inhalte zu jeder Zeit kritisch zu reflektieren.

Schwarmintelligenz und Transhumanismus

Duden zum Begriff Schwarm: „größere Anzahl sich [ungeordnet,] durcheinanderwimmelnd zusammen fortbewegender gleichartiger Tiere, Menschen“. Meist wird dieser Begriff für Tiere verwendet. Er suggeriert eine Gleichartigkeit, eine daraus entstehende höhere Wirkungsebene und oft die damit einhergehende höhere Effizienz. Schwarmintelligenz stellt demnach eine Ansammlung von Individuen für die Bildung einer höheren Intelligenz dar. Wie die Neuronen in einem neuronalen Netzwerk aus der Sicht der materialistischen Ideologie das Bewusstsein und Selbstbewusstsein erschaffen, so entsteht aus der individuellen Intelligenz eine deutlich höhere Intelligenz des Schwarms. Die Intelligenz des Einzelnen wird durch die Masse überwunden oder zumindest erweitert. Man könnte die Schwarmintelligenz also als eine Trans-Individualintelligenz bezeichnen. Die Intelligenz des Individuums ist nicht effizient und gut genug und muss in der Masse der Individuen überwunden werden. Die menschliche Intelligenz wird demnach erst in ihrer zur Analyse gestellten Masse als gut genug erachtet.

In der Basis heißt es dann „die Weisheit der Vielen“. Warum die Vielen automatisch zur Weisheit werden, ist nicht klar. Es gibt zwar die Geschichte über die Gewichtsschätzung einer Kuh, die besagt, dass viele Menschen bei ihrer Vermutung gemeinsam (unbewusst) einen arithmetischen Mittelwert erzielen, welcher der Realität am nächsten entspricht. Doch 1. ist es eine Instrumentalisierung menschlicher Intelligenz (!) bzw. ihre Reduktion auf die höchste Effizienz in Bezug auf benötigte (von wem und für was?) Resultate und 2. kann diese Anekdote nicht als eine wissenschaftliche Untermauerung der Schwarmintelligenz dienen, weil ihr schlicht (meines Wissens nach) die Wissenschaftlichkeit fehlt. Eine automatisch weise Masse der Meinungen ist also nur dann ‚weise‘, wenn sie für einen ganz bestimmten Zweck ein gewisses Resultat im Mittelwert liefert. Wenn man das ernsthaft weise nennt, dann hat man einen instrumentellen Weisheitsbegriff, welcher zwar für die technokratische Lenkung passt, aber nichts mit einer menschengerechten Entwicklung zu tun hat.

Das dabei angewendete Prinzip des systemischen Konsensierens kommt aus der Idee der Soziokratie und diese kommt aus der Systemtheorie, welche zumindest zu einem großen Teil mit der Kybernetik (Analogie zwischen Maschinen und der Handlungsweise der Menschen) verbunden ist und ein technisches Verständnis vom Sozialen hat. Es gibt zwar Bestrebungen die Systemtheorie mit der Gesellschaftskritik zu vereinen, allerdings aus meiner Sicht auf Kosten der Gesellschaftskritik, indem man die Kritik am System in das System selbst integriert. Daraus entsteht eine kastrierte Systemkritik innerhalb dynamischer Systemgrenzen. So sozial die Bestrebungen solcher Methoden auch erscheinen und wie effektiv sie sich auch erweisen, darf man ihre Hintergründe nicht vergessen! Man wendet also aus der Kybernetik kommenden Techniken an, um das Soziale möglichst effizient zu gestalten. Daraus kann kein Menschliches entstehen!

Das Problem dabei ist nicht die Einbeziehung anderer Menschen, diese sollte ja stattfinden, sondern das materialistische und technische Verständnis von sozialen Prozessen und der Drang nach Effektivität.

Diese Denke ist bis in die politische Gestaltung an sich gut bekannt. Sie ist in der Smart City Charta 2017 der Bundesregierung als post-voting-society zu finden (lange Fassung von 108 Seiten / auf meine Nachfrage, wo denn diese Fassung geblieben ist – da sie nicht mehr auf der Regierungsseite zu finden ist – bekam ich folgende Antwort: „die lange Fassung ist nicht mehr im Internet verfügbar, sie ist gelöscht worden. Habe gerade mit der zuständigen Projektleiterin gesprochen.“). Es ist gut, dass Menschen solche Dokumente extra abspeichern und anbieten: BMUB bzw. BMU 2017, S. 43: https://www.smart-city-dialog.de/wp-content/uploads/2020/03/Langfassung-Smart-City-Charta-2017.pdf). Aber auch Regierungen anderer Staaten – Kanada, Russland, Schweden, Dänemark etc. – entwickeln sich in die gleiche Richtung. Zu post-voting society steht dort Folgendes (das sind die Worte der Bundesregierung!):

„Da wir genau wissen, was Leute tun und möch-
ten, gibt es weniger Bedarf an Wahlen, Mehr-
heitsfindungen oder Abstimmungen. Verhaltens-
bezogene Daten können Demokratie als das
gesellschaftliche Feedbacksystem ersetzen.“

Jetzt könnte man einwenden, dass es bei dem Konzept des Partei-Schwarms aber gerade um die Mehrheitsfindungen geht. In der dahinter liegenden Idee an sich mag das sein. Begriffe verraten allerdings oft eine ganz andere (meist unbewusste) Intention. Sie wird nur so lange nicht auffallen, bis das unmittelbare Feedback von Meinungen, Geschmäckern und Haltungen im Sinne von big data automatisiert zur Analyse in entsprechenden Machtzentren (Parteien, Regierungen, Oligarchen und Techkonzerne) zusammenfließen kann (noch systematischer und selbstverständlicher als es bereits jetzt geschieht). Denn ein Schwarm-Konzept ist ein gesellschaftliches Feedbacksystem! Das intern scharf kritisierte sogenannte Lüneburger Modell, bei dem Online-Umfragen die Ansichten der Wähler klären sollen, geht ebenfalls sehr stark in diese Richtung. Es unterscheidet sich allerdings nicht von der Idee der Schwarm-Intelligenz, es stützt diese. Ich erwähne es, weil zwar das Lüneburger Modell kritisiert wird, aber nicht der Begriff und das Konzept der Schwarmintelligenz! Die selbstverständliche Rede von einem „Schwarm“ und seiner Auswertung in Bezug auf die „besten Entscheidungen“, die in der Basis Partei gängig ist (A. Harm: „Der Schwarm wird die Meinungen Einzelner miteinander verbinden, auswerten und die besten Entscheidungen für unser Leben entscheiden.„), lässt einen bei Kenntnis technokratischer Ausrichtung mehr als aufhorchen! Das Problematische sehe ich also nicht in der kritisierten Einbindung anderer Themen als denen der Kritik am Coronaregime (diese Kritik ist ja parteiintern bekannt), sondern in der mehr oder weniger automatisierten Sammlung und Auswertung von Meinungen und vor allem in einem tier-ähnlichen Konzept menschlicher Intelligenz.

Fazit

Ich will damit nicht sagen, dass Mehrheitsfindungen grundsätzlich ein technokratisches Verfahren darstellen. So wie auch Expertenrunden für spezielle Bereiche nicht zwangsläufig eine Technokratie bilden. Es ist eher die Weltanschauung und das Menschenbild, welche einer Idee eine ganz andere Richtung geben können als offensichtlich intendiert. Eine unreflektierte Ecke kann eine Idee in die völlig entgegengesetzte Richtung treiben lassen.

Wer das Soziale und die damit verbundenen Entscheidungsprozesse als einen „Schwarm“ bezeichnet, schläft in der bereits stattgefundenen Gleichstellung des Menschen mit einem Tier und in der allgegenwärtigen Gleichstellung des Menschen mit einer nicht effizienten Maschine.

Es wird also darauf ankommen, ob die führenden Parteimitglieder der Basis genug Geistesschärfe aufweisen, um nicht unbewusst in die Segeln des technokratischen Transhumanismus hineinzublasen. Doch leider ist bisher kein Anzeichen entsprechend kritischer Selbstreflexion zu sehen.

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