Mein Name ist Aliaksandr Kavaliou. 1982 erblickte ich das Licht der Welt und wechselte 1997 meinen Wohnsitz von Weißrussland nach Deutschland. Seit 2004 bin ich im Bereich der Jugend- und Heimerziehung und Schulbildung tätig. Seit 2017 kam das berufsbegleitende Studium der Bildungswissenschaften hinzu. Doch anstatt Sie mit meinem Lebenslauf zu ermüden, stelle ich Ihnen meine Handlungsimpulse vor, die meine berufliche wie auch teils private Wirkung durchziehen.

Bei meiner Arbeit untersuche ich vordergründig die Entwicklungsmöglichkeiten des Menschen und die Veränderungen organisierter Gruppen im Sinne der Sozialen Kunst. In dieser Zeit arbeitete ich mit sehr verschiedener „Klientel“, wie man das in einem unangenehmen sozialpädagogischen Fachjargon auszudrücken pflegt. Doch gerade dieser Ausdruck zeigt die momentane schwierige Lage der jungen Menschen und ihrer erwachsener Helfer am deutlichsten auf. Sie werden oft nicht als Menschen, sondern als Klienten mit bestimmten Rechten gesehen. Es ist ja im Grunde sehr gut, dass es 1990 ein Umdenken in der Jugendgesetzgebung gab und so das „Kinder- und Jugendhilfegesetz“ zur Wirkung fand. Doch mit Gesetzen sind die Probleme bekanntlich noch nicht gelöst, man muss innerhalb der Gesetze zu einer menschengerechten Eigenständigkeit gelangen. Die Jugendlichen sind Menschen mit verschiedenen Problemfeldern und keine Klienten in einem Rechtsstaat, sie suchen ebenfalls Menschen, die ihnen Vorbilder und stetige Begleiter sein können. Das heutige Denken von der Erziehung ist meist zu weit entfernt vom „Menschen“ selbst, dieses Denken dreht sich in abstrakten Begriffskreisen der fachlichen Perfektion, verfehlt die Wirklichkeit und übergibt die Verantwortung, anstatt diese zu übernehmen. Meine Arbeit richte ich darauf, die Frage nach dem Menschen dem wirtschaftlichen und politischen Kontext zu entreißen und die Antworten darauf in der geistigen Auseinandersetzung zu suchen – was ist der Mensch, den wir im Begriff sind zu verlieren?

Für die Jugend, als Grundstock unserer gesellschaftlichen Entwicklung, will ich eine Jugendphase frei kämpfen, die der modernen Zeit und der inneren Bildungssehnsucht gerecht wird, die den jungen Menschen ihre Entfaltung erlaubt, bevor sie diese Entfaltung innerhalb der Gesellschaft sinnvoll einbringen können.

Die intensive Zeit im pädagogischen Bereich zeigt mir unter Anderem drei spezifische Dinge:

Wie zentral eine menschengerechte, von der Ökonomie unabhängige Bildung ist, wie wichtig eine fundierte, vom Grundsatz überdachte Ausbildung ist, die nah an der praktischen Arbeit, aber noch näher an der echten Selbstentwicklung sein muss und wie unentbehrlich die ernsthafte kritische Beschäftigung mit den eigenen sozialen Strukturen ist.

Das Letztere wird bereits in der zur Mode gewordenen „Qualitätssicherung“ scheinbar umgesetzt, wirkt jedoch wie ein schlechtes Zerrbild der eigentlich notwendigen Qualität. Da versucht man auf bürokratischen Wegen und mit gesetzlichen Vorrichtungen die Qualität zu sichern, die eigentlich noch gar nicht entwickelt worden ist. In der Praxis bringen diese „Qualitätssiegel“ nur Schein. Die Frage ist also: „Wie entwickelt man Qualität einer Organisation?“. Doch es ist damit auch die Gesellschaftskritik – die „Kritik an der Macht“ – als Beitrag zur Qualität des gesamten sozialen Organismus, gemeint.

Das Zweite, die selbstbildende und praxisorientierte Ausbildung, wird eher ökonomisch instrumentalisiert, wobei man die Praxis mit Praxissemestern, dualer Ausbildung und Praktika abdecken will und den Aspekt der Selbstentwicklung lediglich in den wirtschaftlich verwertbaren Kompetenzen erdrückt. Die andere Frage entsteht hieraus: „Was ist Selbsterziehung und welchen Beitrag kann sie zur Ausbildung beitragen?“.

Und die bitter notwendige von der Ökonomie befreite Bildung, die sich nicht als wirtschaftliches Segment im Sinne von Selektion und Allokation versteht, um letztendlich systematische Bildungsreduktion zu betreiben, stellt uns die Frage: „Wie muss eine menschengerechte Bildung sein?“.

Diese und andere verwandte Fragen erforsche ich praktisch wie theoretisch stets im Kontext des Menschengerechten, um damit etwas Klärendes zu der verzweifelten Lage der herannahenden Generation und somit der gesamten Gesellschaft beizutragen. Die Erwachsenen müssen sich selbst bilden, damit sie für die Jugend respekterregend und brauchbar werden.

aliaksandr kavaliou