Wohin führt uns der Materialismus? Aufruf zum geistigen Humanismus!

Das, was sich nach einer reißerischen Verschwörungstheorie anhört, ist durchaus schon eine Weile reale Forschungspraxis und Politik. Verhaltenskontrolle und genetische „Optimierung“ sind – genau so wie totale Überwachung / Massenverwaltung und medizinisch-hygienischer Totalitarismus – folgerichtige Früchte materialistischer, technokratischer und transhumanistischer Lebensauffassung. Der Mensch ist demnach eine zu verwaltende Biomasse ohne freien Willen. Jedes mal, wenn man also den Menschen für ein bloßes Tier und den Geist für eine Gehirnproduktion hält (was an der Tagesordnung ist), sollte man sich die glasklare Konsequenz dieser Ideologie vor die Seele führen. Diese transhumanistischen Tendenzen sind also keine ‚kranke Phantasie böser Eliten‘, sondern eine konsequente Entwicklung in die eingeschlagene Richtung: Materialismus -> Transhumanismus -> Posthumanismus. Und nein, hier folgen keine abgedroschenen Aufrufe zur diffusen Spiritualität oder irgendeinem ‚Gott‘. Dazu eine kurze Nebengeschichte:

Kirche als die Vorstufe von Kapitalismus (abgetriebener ‚Gott‘)

Mitte 16. Jhdts gab es eine Bewegung „reformierte Kirchen“, die von den außenstehenden Calvinismus genannt wurde. Diese Bewegung jetzt umfassend zu beschreiben ist nicht die Absicht dieses Beitrages. Es gibt allerdings einen sehr verblüffenden Zusammenhang mit unserem Selbstverständnis des Berufs und letztendlich auch des ganzen Kapitalismus mit eben diesem Calvinismus (der später von Max Weber sinngemäß als protestantische Ethik bezeichnet wurde) – was es mit dem obigen Thema zu tun hat, führe ich noch aus.

Die Überzeugungen des Calvinismus basierten auf der Unmöglichkeit der selbsttätigen Erlösung des Menschen. Der Mensch ist von Gott entweder auserwählt oder nicht, ändern kann er (der Mensch) daran nichts. Wenn er auserwählt wird, bleibt er ewiglich auserwählt. Der materielle Wohlstand wurde als ein Zeichen der Auserwählung gedeutet. Da man nicht wissen kann, ob man auserwählt ist, ist die tugendhafte und arbeitssame Haltung für die Gewissheit der Auserwählung absolut notwendig. Diese Haltung ändert allerdings nichts an der bereits davor stattgefundenen Auserwählung, sondern kann diese nur offenbaren. Die Arbeit und der Beruf wurde dadurch zu dem Weg in die mögliche Transzendenz (Selbstüberwindung im Gott). Jetzt könnte man sagen: „Das ist doch fein! Der Mensch wird dadurch arbeitssam und tugendhaft!“ Aber so kam das nicht. Es wurde aus dem Calvinismus eine erstaunliche Metamorphose, die gewiss selbst die Calvinisten überrascht hätte.

Aus der calvinistischen Ideologie und der aufkommenden materialistischen Anschauung (die auch durchaus mit dem Calvinismus verbunden war) wurde nach und nach der moderne Kapitalismus. Die arbeitssame und geldanhäufende Haltung hat dabei allerdings das Religiöse über Bord geworfen. Was die Calvinisten zu ihrer Zeit gewiss nicht verstanden hätten ist ein entscheidender Punkt: Die Abtreibung der Religion und des Göttlichen lag bereits als Keim in der calvinistischen Ideologie. Der Kapitalismus war also die konsequente und korrekte Weiterentwicklung des Calvinismus. Der Schock entsprechender Kirchenväter mag groß gewesen sein, aber das Verständnis für diese Entwicklung ist wahrscheinlich immer noch nicht angekommen. Die sogenannte „Berufsmethaphysik“ (die Ansicht, dass ein Beruf eine Berufung ist), die Ökonomie, die Anhäufung von Finanzen und die grundsätzliche charakterliche Einstellung wurde aus dem Kirchen-Religiösen herausgenommen und der ‚Gott‘ wurde abgetrieben.

Materialismus als Vorstufe von Transhumanismus und Posthumanismus (abgetriebene Natur)

Warum erzähle ich das? Weil wir die gleiche Situation mit dem Materialismus haben. Wir leben seit mehreren Jahrhunderten in der stets zunehmenden materialistischen Ideologie mit ihren Überzeugungen und Dogmen. Interessanterweise hat der heutige Materialismus bereits etwas Religiöses und Dogmatisches. Mit der früheren wissenschaftlichen Suche nach Erkenntnissen hat er nichts mehr zu tun.

Die Überzeugung der Mensch sei ein Tier und nicht mehr als das ist allgegenwärtig. Wenn Bastian Barucker als natur-affiner Mensch mir auf meinen offenen Brief (https://sozialekunst.eu/2021/07/20/bildung/) schreibt: „Ich habe mit Transhumanismus nichts am Hut, deshalb gelten deine Interpretationen nicht für das, was ich sagen möchte. Mein Background ist das 15-jährige Studium der indigenen Lebensweise auf verschiedenen Kontinenten und vor allem die Praxis.“ und gleichzeitig den Menschen als ein „Tier mit mehr Neokortex-Funktionen“ bezeichnet und von Lösungsstrategien der Tiere schreibt (ihnen also Denken und Urteilen beimisst), dann drückt sich hier nun mal die gleiche Problematik, die damals die Calvinisten hatten!

Man kann nicht der materialistischen Ideologie folgen und gleichzeitig sagen, man habe mit dem Transhumanismus nichts zu tun. Ich würde so weit gehen und dies als eine bodenlose Naivität bezeichnen. Die (meist romantisierte) Verbindung zur Natur mag die Zwangsverkettung des Materialismus mit dem Transhumanismus nicht offen zu legen. Doch wenn diese Verbindung sich auf Basis des Materialismus stützt, wird sie einen – ob gewollt oder nicht – zwangsläufig nach und nach auf die Stufe des Transhumanismus drängen. Wenn also materialistische natur-affine Menschen die Natur als ihre Muse haben, so werden sie später in einer Welt aufwachen, in der die Prinzipien ihres Denkens voll und ganz realisiert sind, aber die romantisierte Natur abgetrieben ist.

Optimierung und Verwaltung der Biomasse ‚Mensch‘

Es soll also einen nicht wundern, wenn wir ganz unmittelbar in der transhumanischen Revolution stehen. Der berühmte suggestive und in einer positiven Selbstverständlichkeit kommende „Great Reset“ eines Klaus Schwab (https://www.youtube.com/watch?v=8rAiTDQ-NVY und die lange Version: https://www.youtube.com/watch?v=VHRkkeecg7c) mit der ‚Optimierung‘ gesellschaftlicher Strukturen kann also nicht auf eine Kreation elitärer Transhumanisten reduziert werden. Es ist ein Werk von jedem Menschen, der die Dogmen und Gewohnheiten der materialistischen Ideologie nicht kritisch reflektieren will. Die Gesellschaft bekommt die Früchte ihrer Ideologie zum Mittagessen (mögen sie schmecken oder nicht).

Verhaltenskontrolle von Tieren durch genetisch veränderte magnetische Proteine

Wer diesen Artikel durchliest und sich weiter mit dem Thema beschäftigt, versteht wie fortgeschritten die Forschung auf diesem Gebiet ist und vor allem wie selbstverständlich man immer weiter und weiter forscht und die Tragweite dessen gar nicht publik macht. Englische Artikel kann man wunderbar mit https://www.deepl.com/translator übersetzen.

https://www.theguardian.com/science/neurophilosophy/2016/mar/24/magneto-remotely-controls-brain-and-behaviour

Politische Gen-Medizin

https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/biotechnologe-ohne-gehirnchip-wird-man-ein-mensch-zweiter-klasse-sein-li.171279

https://www.heise.de/hintergrund/Winzige-magnetisch-steuerbare-Roboter-fuer-die-Medizin-6121797.html

Genetisch veränderte Soldaten – mehr Effizienz, weniger Empathie

Hier sind politische (!) Absichten mit entsprechender Forschung bereits Realität:

https://norberthaering.de/news/mensch-maschinen-soldaten/

Die obigen Links und Themen sollen natürlich nur Auszüge aus einem extrem weiten Feld transhumanistischer Forschung sein. Wem die Tragweite nicht bekannt ist, der sollte sich damit durchaus weiter beschäftigen.

Neuer aktiv-geistiger Humanismus als Alternative zum endgültigen Menschen-Tod (abgetriebener Mensch)

Der Rückbezug auf einen irgendwie gearteten gedachten und diffus gefühlten ‚Gott‘ kann höchstens Kirchen und Sekten dienen. Eine New-Age-Esoterik, die einen wohligen Mix aus selbstbefriedigenden Inhalten mit dem Potenzial übersinnlicher Erlebnisse anbietet macht keine Rechnung mit dem eigenen geistigen Steuerrad des denkenden Ich und ist der genauen gedanklichen Belichtung gegenüber recht negativ eingestellt. Man will dort mehr konsumieren (ja, auch Channeln ist Konsum) als selbst etwas ernsthaft ergreifen. Der Mensch wird in beiden bekannten Bereichen der sogenannten ’spirituellen Lebens‘ (Kirche und Esoterik) nicht zur Selbstermächtigung geführt. Er wird höchstens rückwärtsgewandt zu einer ‚alten Spiritualität‘ gedrängt, die nichts mit den Ichkräften eigener Handlungsfähigkeit zu tun hat. In der modernen Zeit eines sich (mehr oder weniger) herausgebildeten Selbstbewusstseins kann die Spiritualität allerdings nicht die von gestern sein. Der moderne Mensch muss die Spiritualität gedanklich ergründen, um sie selbst aktiv und praktisch realisieren zu können. Er muss sie aus der völlig berechtigten und unserer Zeit entsprechenden Nicht-Spiritualität aktiv herausarbeiten!

Der Materialismus führt uns also nach und nach an das Ende des Menschen (Posthumanismus), an den realen Abgrund menschlicher Existenz. Nicht an einen irgendwie gedachten und gearteten Tod, sondern an die regelrechte Auslöschung menschlicher Realität als solcher. Wenn die Geschichte der letzten Jahrhunderte uns die Realität beschert hat: Gott ist tot, so wird uns die recht nahe Zukunft auch „Mensch ist tot“ bringen. Doch genau darin liegt die ganz praktische Möglichkeit den eigentlichen Weg für den Menschen zu erkennen und den Abgrund als lediglich nicht-menschlich zu konstatieren. Durch diese gesellschaftliche Entwicklung haben wir die Möglichkeit das Spirituelle sehr konkret zu greifen oder uns als nicht-spirituelle Wesen, also Wesen eines rein natürlichen (im Sinne der materialistischen Natur) Ursprunges und Zusammenhangs, in den ‚Optimierungsprozessen‘ des Transhumanismus zur Vernichtung zu führen. Der Abgrund zwingt uns zur Bewusstwerdung oder zur Selbstvernichtung im Schlaf.

Es ist also die Frage nach dem konkreten Spirituellen, die Frage nach dem konkret greifbaren Geist des Menschen, die uns auf einen möglichen menschengerechten Weg stellen kann. Der alternative Weg muss also ganz aktiv einen geistigen Humanismus ergründen. Keinen materialistischen Humanismus eines „humanistischen Pressedienstes“, der eher eine Affenaffinität vorweist, als etwas mit dem Menschen zu tun haben zu wollen, sondern einen Humanismus, der nach dem ganz speziell Menschlichen zu suchen bereit ist und dieses von dem Tierischen und Pflanzlichen fähig ist zu differenzieren. Aus den Konsequenzen dieser Differenzen wird ein geistiger Humanismus entstehen, der sich nicht dem Materiellen verwehrt, sondern sich damit in einer differenziert kritischen Art verbindet.

Bevor man aber nach dem Konkreten dieser geistigen Ausarbeitung verlangt, muss festgestellt werden, dass wir auf die geistige Qualität als eine rein menschliche Domäne schon lange verzichtet haben (https://sozialekunst.eu/zeitgeist/). Wir müssen also zuerst zu der Frage zurückkehren: Was ist Geist, wie ist er wirksam und wer ist sein tätiger Träger?

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