Mein Name ist Aliaksandr Kavaliou. 1982 erblickte ich das Licht der Welt und wechselte 1998 meinen Wohnsitz von Weißrussland nach Deutschland. Seit 2004 bin ich im Bereich der Jugend- und Heimerziehung und Schulbildung tätig. Seit 2017 kam das berufsbegleitende Studium der Bildungswissenschaften hinzu. Doch anstatt Sie mit meinem Lebenslauf zu ermüden, stelle ich Ihnen meine Handlungsimpulse vor, die meine berufliche wie auch teils private Wirkung durchziehen.

 

Bei meiner Arbeit untersuche ich vordergründig die Entwicklungsmöglichkeiten des Menschen und die Veränderungen organisierter Gruppen im Sinne der Sozialen Kunst. In dieser Zeit arbeitete ich mit sehr verschiedener „Klientel“, wie man das in einem unangenehmen sozialpädagogischen Fachjargon auszudrücken pflegt. Doch gerade dieser Ausdruck zeigt die momentane schwierige Lage der jungen Menschen und ihrer erwachsener Helfer am deutlichsten auf. Sie werden oft nicht als Menschen, sondern als Klienten mit bestimmten Rechten gesehen. Es ist ja im Grunde sehr gut, dass es 1990 ein Umdenken in der Jugendgesetzgebung gab und so das „Kinder- und Jugendhilfegesetz“ zur Wirkung fand. Doch mit Gesetzen sind die Probleme bekanntlich noch nicht gelöst, man muss innerhalb der Gesetze zu einer Eigenständigkeit gelangen. Die Jugendlichen sind Menschen mit verschiedenen Problemfeldern und keine Klienten in einem Rechtsstaat, sie suchen ebenfalls Menschen, die ihnen Vorbilder und stetige Begleiter sein können. Das heutige Denken von der Erziehung ist meist zu weit entfernt vom „Menschen“ selbst, dieses Denken dreht sich in abstrakten Begriffskreisen der fachlichen Perfektion, verfehlt die Wirklichkeit und übergibt die Verantwortung, anstatt diese zu übernehmen.

 

Meine Arbeit richte ich darauf, die Frage nach dem Menschen dem wirtschaftlichen und politischen Kontext zu entreißen und die Antworten darauf in der geistigen Auseinandersetzung zu suchen. Für die Jugend, als Grundstock unserer gesellschaftlichen Entwicklung, will ich eine Jugendphase frei kämpfen, die der modernen Zeit und der inneren Bildungssehnsucht gerecht wird, die den jungen Menschen ihre Entfaltung erlaubt, bevor sie diese Entfaltung innerhalb der Gesellschaft sinnvoll einbringen können.

 

Die intensive Zeit im pädagogischen Bereich zeigt mir unter Anderem zwei entscheidende Dinge: Wie wichtig eine fundierte, vom Grundsatz überdachte Ausbildung ist, die sehr nah an der praktischen Arbeit und an der Selbstentwicklung sein muss und wie unentbehrlich die ernsthafte Beschäftigung mit den eigenen sozialen Strukturen der Einrichtung ist. Das Zweite wird bereits in der zur Mode gewordenen „Qualitätssicherung“ scheinbar umgesetzt, wirkt jedoch wie ein schlechtes Zerrbild der eigentlich notwendigen Qualität. Da versucht man auf bürokratischen Wegen und mit gesetzlichen Vorrichtungen die Qualität zu sichern, die eigentlich noch gar nicht entwickelt worden ist. In der Praxis bringen diese „Qualitätssiegel“ nichts sonderlich Gutes. Die Frage ist also: „Wie entwickelt man Qualität?“. Das Erste, die fundierte und praxisorientierte Ausbildung, wird eher floskelhaft berührt, wobei man die Praxis mit Praxissemestern und Praktika erübrigen will und den Aspekt der Selbsterziehung weitgehend außer Acht lässt. Die andere Frage entsteht hieraus: „Was ist Selbsterziehung und wie funktioniert sie?“.

 

Genau diese Fragen erforsche ich praktisch wie theoretisch, um auf diese Weise, etwas Klärendes zu der verzweifelten Lage der herannahenden Generation und somit der gesamten Gesellschaft beizutragen. Die Erwachsenen müssen sich selbst bilden, damit sie für die Jugend respekterregend und brauchbar werden.

 

aliaksandr kavaliou